Literaturverfilmung als Wahrnehmungsprozeß narrativer Texte : Analyse von Verfilmungen ausgewählter Werke Heinrich Bölls anhand eines wahrnehmungstheoretisch fundierten Modells

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Titel: Literaturverfilmung als Wahrnehmungsprozeß narrativer Texte : Analyse von Verfilmungen ausgewählter Werke Heinrich Bölls anhand eines wahrnehmungstheoretisch fundierten Modells
Autor(en): Nam, Wan-Seok
Erstgutachter: Prof. Dr. Wolfgang Becker
Zweitgutachter: Prof. Dr. Knut Hickethier
Zusammenfassung: Zielsetzung dieser Arbeit ist es, die Diskussion über die Theorie der Literaturverfilmung, die bis jetzt von den strukturalistischen Grundansätzen dominiert ist, mit einem neuen alternativen Ansatz aus der Wahrnehmungstheorie zu ergänzen. Der Ausgangspunkt liegt in der Ansicht, daß diese strukturalistisch fundierten narrativistischen Ansätze trotz ihrer unbestreitbaren Verdienste einige Schwachstellen aufweisen, die einerseits als Sprach- und Produktionsorientiertheit und andererseits als einseitige Konzentration auf die Deskription auf der synchronischen Ebene bezeichnet werden können. Einen alternativen theoretischen Ansatz, der diesen Problemen entgegenwirken kann, stellt ein wahrnehmungstheoretisch fundiertes Narrationsmodell dar, in dem die Narration als ein Prozeß betrachtet wird, wo der Rezipient durch seine von diversen Schemas geleitete Wahrnehmungsaktivität anhand von diversen Hinweisen die Narration Schritt für Schritt verfolgt. Unter dieser Zielvorstellung wurde in dieser Arbeit das Narrationsmodell von David Bordwell herangezogen, das er aus dem Standpunkt der Kognitionstheorie für die narrativen Filme entworfen hat. In diesem Modell sah ich trotz einiger Bedenken wegen der aus der Sicht der kognitionstheoretisch fundierten Narrativik empirisch noch unzureichend gesicherten Theorieansätze eine Möglichkeit, die Eigenschaften und Merkmale narrativer Texte, die innerhalb dieses Forschungsbereichs der Literaturverfilmung zu behandeln sind, auf einer Ebene zu beobachten und zu beschreiben, die grundsätzlich von den Unterschieden der jeweiligen Medien unabhängig ist. In diesem wahrnehmungstheoretisch fundierten Narrationsmodell wird die Narration als ein Prozeß betrachtet, der dem Rezipienten ständig Hinweise gibt, damit er aus dem Sujet, das eine abstrakte Konstruktion bzw. Organisation von Ereignissen und Zuständen darstellt, eine chronologische und kausale Reihe von ihnen, d.h. die Fabel rekonstruieren kann. Bei den Hinweisen handelt es sich dann nicht um solche sprachbezogenen Kriterien wie Tempus, Modus und Stimme, sondern um die logischen, zeitlichen und räumlichen Hinweise, die bei der menschlichen Wahrnehmung generell grundlegende Rollen spielen. Unter dieser Vorstellung über die Narration richtet sich der Schwerpunkt des Modells dann auf die diversen Aspekte der Relation zwischen Sujet und Fabel, die zunächst mit den raumzeitlichen und logischen Merkmalen beschrieben werden. Anschließend werden die Merkmale unter den taktischen Aspekten mit den Kriterien von Leerstellen, Retardation und Redundanz beschrieben, und zwar unter der Annahme, daß das Sujet auch im idealen Fall nicht alle Fabelinformationen darstellen kann. Als der nächste Schritt werden diese Merkmale unter dem Aspekt der globalen narrativen Strategien betrachtet, und zwar mit den Kriterien von Wissen, Selbstbewußtheit und Kommunikativität. Ein wesentlicher Vorteil dieses Modells liegt gegenüber den herkömmlichen strukturalistischen Narrationsmodellen darin, daß dadurch die Voreingenommenheit der strukturalistischen Modelle durch die Sprache grundsätzlich ausgeschlossen werden kann, weil die Kriterien und Kategorien, die dieses Modell ausmachen, auf die Merkmale der menschlichen Wahrnehmungstätigkeit zurückzuführen sind, die als solche einerseits auch die Sprechhandlung einschließt und andererseits unabhängig von den Medien ist. Als solches kann dieses Modell als Grundmodell für die komparative Analyse von literarischen und filmischen Texten eingesetzt werden, weil die zentralen Kriterien und Kategorien nicht nur in ihrer Konzeption, sondern auch in ihrer Anwendung in der Praxis medienunabhängig für alle narrativen Texte angewendet werden können. Aufgrund dieses Modells wird in dieser Arbeit ein Analyseraster konzipiert, der bei der konkreten komparativen Analyse als gemeinsame Grundlage benutzt werden kann. Bei der Analyse wurde dann versucht, die narrativen Merkmale nach dem aus diesem Modell gewonnenen Raster zu beschreiben. Aus den Resultaten aus den darauf folgenden konkreten Analysen einiger ausgewählter Filme, die auf literarischen Vorlagen Heinrich Bölls basieren, kann festgestellt werden, daß die globalen Merkmale eines Textes mit Hilfe eines wahrnehmungstheoretisch fundierten Narrationsmodells aus dem nicht von einem bestimmten Medium voreingenommenen Standpunkt der Wahrnehmungsaktivität des Rezipienten erfolgreich umgeschrieben werden können, ohne dabei auf die strukturalistischen Grundbegriffe zu rekurrieren. Dadurch wurde es möglich, die narrativen Merkmale jeweiliger Texte als eine abgeschlossene Ganzheit aus einem neutralen Standpunkt zu beobachten und sie mit neutralen Kriterien und Kategorien zu beschreiben.
URL: https://repositorium.ub.uni-osnabrueck.de/handle/urn:nbn:de:gbv:700-2000091590
Schlagworte: Literaturverfilmung; Böll; Literatur und Film
Erscheinungsdatum: 15-Sep-2000
Enthalten in den Sammlungen:FB07 - E-Dissertationen

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