Entwicklung der Morbiditätsstruktur und des damit verbundenen Leistungsvolumens in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels

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Titel: Entwicklung der Morbiditätsstruktur und des damit verbundenen Leistungsvolumens in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels
Sonstige Titel: Morbidity development and the resulting volume of services in outpatient health care of statutory health insurance in view of demographic change
Autor(en): Frank, Janina
Erstgutachter: Prof. Dr. Birgit Babitsch
Zweitgutachter: Prof. Dr. Markus Lüngen
Zusammenfassung: Die mit dem demografischen Wandel in Deutschland einhergehende Alterung der Bevölkerung ist mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen auf die Systeme der sozialen Sicherung – darunter das Gesundheitssystem – verbunden. Ob die Entwicklung hin zu einer Gesellschaft des langen Lebens als Chance oder doch als eine Herausforderung begriffen werden sollte, hängt unter anderem davon ab, inwieweit die gewonnenen Lebensjahre in Gesundheit oder in Krankheit verbracht werden. Ziel dieser Arbeit ist es daher das Zusammenspiels von demografischem Wandel und der sich daraus vollziehenden Verschiebung der Altersstruktur zugunsten der Älteren sowie den damit verbundenen möglichen Auswirkungen auf die Morbiditätsstruktur der gesetzlich Krankenversicherten – fokussiert auf das damit zusammenhängende Volumen an vertragsärztlichen Leistungen im ambulanten Versorgungssektor zu untersuchen. Die erste Publikation wendet eine Szenariotechnologie zur Projektion des ambulanten Leistungsvolumens im vertragsärztlichen Versorgungsbereich an, indem die Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung, der Entwicklung von Anzahl und Struktur der gesetzlich Krankenversicherten und der sich verändernden morbiditätsbedingten Inanspruchnahme auf die Höhe des ambulanten Leistungsvolumens für das Jahr 2020 in Form verschiedener Szenarien projiziert werden. Die unterschiedlichen Szenarien skizzieren bestehende Theorien (Medikalisierungs-, Kompressions-, oder Bi-Modalitätsthese) zum Zusammenhang von Alterung der Bevölkerung und Entwicklung der Gesundheit und der Gesundheitsausgaben. Bei den Modellrechnungen zeigt sich, dass die größte Zunahme des ambulanten Leistungsvolumens zu erwarten ist, sollten sich gesetzlich Krankenversicherte entsprechend ihrer durchschnittlichen ambulanten Morbiditätsstrukturveränderung der Jahre 2008 bis 2011 entwickeln. Der dabei verwendete Morbiditätsbegriff bezieht sich auf kodierte ambulante Behandlungsdiagnosen, die in zunehmender Kritik stehen. Daher werden mit der zweiten Publikation Prävalenzmessungen auf der Basis der kodierten Behandlungsdiagnosen mit epidemiologischen Survey-Daten exemplarisch für die Erkrankungen Hypertonie und Depression extern validiert. Dabei zeigt sich für Prävalenzen der Hypertonie eine sehr gute Übereinstimmung. Hingegen konnte, bis auf die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen, keine Übereinstimmung bei einer Validierung der Prävalenz von Depression beobachtet werden. Die dritte Publikation konzentriert sich auf den Teil der Bevölkerung, der aufgrund des wachsenden Anteils eine zentrale Rolle bei der aktuellen und zukünftigen Finanzierung bzw. Vergütung des Gesundheitssystems spielt, indem durch eine retrospektive, kohortenspezifische Betrachtung der Jahre 2007 und 2014 anhand der ambulanten Abrechnungsdaten empirisch überprüft wird, wie sich die Morbidität und das damit verbundene ambulante Leistungsvolumen der Generation 65plus in den jeweiligen Jahren verändert haben. Für den größten Teil der untersuchten Population ist mit einer zunehmenden Lebenserwartung auch eine zunehmende Anfälligkeit für chronische Erkrankungen und Multimorbidität sowie ein daraus resultierendes zunehmendes ambulantes Leistungsvolumen verbunden, was insgesamt für die Morbiditätsexpansion im ambulanten Versorgungsbereich spricht. Gleichzeitig beobachtete rückläufige Inzidenzen sind hingegen ein positives Indiz dafür, auch bei der Generation 65plus gesundheitsfördernde Maßnahmen zu verstärken. Zusammenfassende Erkenntnisse aus den drei Publikationen lassen die Schlussfolgerungen zu, dass nebeneinander existierende Szenarien der Morbiditätskompression und –expansion in der vertragsärztlichen Versorgung als positiver Ansatz, den demografischen Wandel auch als Chance wahrzunehmen, begriffen werden sollte. Denn die Ergebnisse deuten auf Potenziale für Präventionsanstrengungen auch im höheren Alter hin. Weiterführende Analysen mit ergänzenden Informationen zu Risikofaktoren, Migrationshintergrund, sozialer Lage oder auch der subjektiven Gesundheitseinschätzung sind erforderlich, um Unterschiede zwischen den Personengruppen besser erklären zu können. Eine gezielte Förderung der Prävention im Alter kann zur finanziellen Entlastung des Gesundheitssystems beitragen, die gleichzeitig in eine hochwertige Versorgung von Chronikern und Multimorbiden investiert werden kann. Eine sich aus Primär- und Sekundärdaten ergänzende Datengrundlage, die Nachteile des einen Datensatzes durch Vorteile des anderen Datensatzes kompensiert, kann wesentlich dazu beitragen, präventions- und versorgungsrelevante Maßnahmen zu entwickeln.
URL: https://repositorium.ub.uni-osnabrueck.de/handle/urn:nbn:de:gbv:700-2018052917203
Schlagworte: Morbidität; Demografischer Wandel
Erscheinungsdatum: 29-Mai-2018
Enthalten in den Sammlungen:FB08 - E-Dissertationen

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